Im Rahmen der regelmäßig durchgeführten Instandsetzungsarbeiten haben wir uns im November mit einer besonderen Erprobung im Museumsbunker Hannover beschäftigt:
Unsere Zielsetzung war es, den Bunker in einem Funktionstest in den Verschlusszustand zu versetzen und mit der Schutzbelüftungsanlage im Überdruckbetrieb zu belüften.
Beim Schutzluft-Überdruckbetrieb wird der Bunker vollständig unter einem geringen Überdruck gesetzt. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass kontaminierte Außenluft in den Bunker gelangt. Die „Bedienungsanweisung für LS-Bunker Hannover, „Wallensteinstraße“ weist darauf hin, dass sich der Überdruck in einem Bereich von 5 bis 15 mmWS (Millimeter Wassersäule) bewegen soll. Dies entspricht einem Druck von etwa 0,5 mbar bis 1,5 mbar. Im Dienstraum des Bunkerwartes befindet sich ein Manometer, mit dem der Überdruck kontrolliert werden kann.

Die Vorbereitungen für diesen Funktionstest waren sehr umfangreich. Für den Schutzluftbetrieb ist es unbedingt erforderlich, dass die gesamte technische Originalausstattung einwandfrei funktioniert. Zunächst mussten die insgesamt 12 elektrohydraulisch betätigten Schleusendrucktüren zugefahren und verriegelt werden. Auch die schweren, mit Strahlenschutzsteinen gefüllten Schleusentüren zum Filteranbau mussten geschlossen und verriegelt werden.


Im nächsten Schritt wurde die Kompressorenanlage eingeschaltet, die die Druckluft für die elektropneumatisch betätigten Luftklappen bereitstellt. Da die Schaltvorgänge automatisch mit Hilfe des originalen Schaltwerkes gesteuert werden sollten, wurde im Hauptschaltfeld die Betriebsart „Automatik“ eingestellt. Nach dem Einschalten des Steuer- und des Meldetransformators war die Anlage betriebsbereit – und der Funktionstest konnte beginnen.
Der Funktionstest sollte vom Dienstraum des Bunkerwartes aus gestartet werden. Dort befinden sich im Kontroll- und Meldefeld mehrere Drucktaster, mit denen die verschiedenen Belüftungsprogramme gestartet werden können. Mit einem Tastendruck wurde dann das Programm „Schutzluftbetrieb ohne ABC-Filter“ aktiviert.
Das originale Steuerwerk lief an. Im ersten Schritt wurden die elektropneumatischen Belüftungsklappen entsprechend den Anforderungen betätigt: Die Ventilklappe „4“ hat den Belüftungskanal zwischen dem Grobsandfilter im Filteranbau und dem Schutzluftgebläse geöffnet. Die Wechselklappe „1“ stellte die Verbindung zwischen dem Schutzluftgebläse und den Zulüftern „I“ und „II“ her. Über die geöffnete Abluftklappe „9“ wird die Luft aus dem Innenraum wieder über die Abluftöffnungen am Filteranbau nach außen gefördert.
Anschließend wurde das Schutzluftgebläse eingeschaltet, die beiden Zuluftgebläse „I“ und „II“ über Stern-Dreieck-Anlassschaltungen gestartet und das Abluftgebläse „C“ eingeschaltet. Die Förderleistung des Schutzluftgebläses ist mit 5.200 m3 pro Stunde angegeben. Dem gegenüber fördert das Abluftgebläse „C“ lediglich 1.700 m3 pro Stunde. Da deutlich mehr Luft in den Bunker gefördert wird, als wieder hinaus, entsteht so ein Überdruck im Bunker. Der Druckregulierung erfolgt über mechanische Druckklappen in den Schleusentüren, durch die die Luft über die Schleusen, Schleusenvorräume und Außenabschlüsse wieder nach außen gelangt.






Tatsächlich baute sich nach der Aktivierung des Belüftungsprogramms „Schutzluftbetrieb ohne ABC-Filter“ nach kurzer Zeit ein Überdruck im Bunker auf, der sich auf 1 mbar (entspricht 10 mmWS) einpendelte – und auf dem Manometer im Dienstraum des Bunkerwartes angezeigt wurde.





Der erfolgreiche Verlauf dieses Funktionstests zeigt, dass die originalen technischen Einrichtungen des Museumsbunkers auch nach fast 60 Jahren immer noch funktionsfähig sind und selbst bei komplexen Schaltvorgängen reibungslos zusammenwirken. Die kontinuierliche Pflege, Überprüfung und Instandsetzung der technischen Ausstattung unter Wahrung des Originalzustands im Rahmen unserer ehrenamtlichen und gemeinnützigen Vereinsarbeit trägt entscheidend zum Funktionserhalt der Anlagen bei.
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Unser aktuelles Titelbild
Unser aktuelles Titelbild auf der Startseite zeigt das Steuergerät für eine einzelne Schleusenanlage im Museumsbunker Hannover. Mit dem Schalthebel im linken Bereich kann jeweils die innere und die äußere Schleusendrucktür sowie die Dosierschleuse auf- und zugefahren werden. Die Kontrolllampen signalisieren, dass alle Türen der Schleusenanlage geschlossen und verriegelt sind. Das Steuergerät enthält alle technischen Komponenten, die für den Betrieb der elektrohydraulischen Schleusentüren benötigt werden.

