Virtuelles GSVBw-Museum: Luftregenerationsversuch – Der Erprobungsauftrag

GSVBw – Die Grundnetzschalt- und Vermittlungsstellen der Bundeswehr

-Luftregenerationsversuch in einer belegten GSVBw bei vollem Außenluftabschluss im Jahr 1976-

Der Erprobungsauftrag

Vorausgegangene Versuchsreihen

In vorausgegangenen Luftregenerationsversuchen in Bw-Kleinschutzbauten mit einer Belegungsstärke von 20 Mann wurden positive Ergebnisse erzielt. Im Rahmen dieser Tests erfolgte ein Außenluftabschluss eines mit Sollstärke belegten Schutzraums. Die Ausstattung der Schutzraum-Belüftungsanlage wurde durch spezielle Luftregenerationsfilter ergänzt. Chemische Vorgänge in diesen Spezialfiltern sorgten dafür, das CO2 im Filter gebunden, und durch ablaufende Reaktionen wieder O2 frei gegeben wird. Zum Testzeitpunkt unterlag die genaue Wirkungsweise dieser Luftregenerationsfilter dem Werkschutz der Herstellerfirma, und wurde daher nicht näher erläutert. Während des Tests musste die Belüftungsanlage des Schutzbaus im Umluftbetrieb eingesetzt werden. Aus einem Umluftkanal wurde ständig ein Teil der Luft über die in das Belüftungssystem integrierte Luftregenerationsanlage geführt, und dort von Schadstoffen gereinigt und mit O2 angereichert. Anschließend erfolgte die Einleitung der aufbereiteten Luft in den Umluftkanal, aus dem sie zuvor entnommen wurde. Auf diese Weise konnte eine Unabhängigkeit von der Außenluft erzielt werden. Der Zeitraum dieser Außenluftunabhängigkeit wurde durch die Anzahl der zur Verfügung stehenden Luftregenerationsfilter bestimmt, da diese Filter während des Betriebes laufend erneuert werden mussten.

 

Die Aufgabenstellung

Nach den positiven Ergebnissen der abgeschlossenen Luftregenerationsversuche in Bw-Kleinschutzbauten sollte nun überprüft werden, ob die Funktionalität der Luftregenerationsanlage auch in einer mit 65 Personen (Sollstärke) belegten GSVBw unter Aufrechterhaltung des Fernmeldebetriebes gegeben ist.

 

Die Vorbereitungen

In einem Schreiben des Infrastrukturstabes der Bundeswehr vom 01. Juni 1976 wurde das BWB (Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung), die Erprobungsstelle 91 in Meppen, das Streitkräfteamt in Bad Godesberg, der zuständige Bereichfernmeldeführer sowie das Sanitätsamt Beuel über die Versuchsvorbereitungen informiert. Es erfolgte der Hinweis, das aus technischer Sicht besonders sorgfältige Arbeiten und Dichtigkeitsprüfungen erforderlich sind, um ein völlig von der Außenluft abgeschlossenes Fernmeldebetriebsgebäude zu realisieren. Ferner muss das Aufnahmegestell für die Luftregenerationsanlage angefertigt, sowie notwendige Messgeräte und Anschlüsse installiert werden.

Die Erprobungsstelle 91 Meppen wurde gebeten, einen Plan für den Versuchsablauf zu erstellen, der die Erkenntnisse der Versuchsreihen in den Bw-Kleinschutzräumen berücksichtigen soll. Weiterhin musste während des Versuchs die Inbetriebnahme des NEA-Dieselmotors für etwa 8 Stunden Dauer erfolgen. Kurz vor dem Versuchsende soll die Dichtigkeit des Eingangsbereiches und der Schachtköpfe durch einen Tränengas-Einsatz überprüft werden. Daher ist zusätzlich eine Kontrolle der ABC-Masken, auch für das zivile Personal, vorher durchzuführen.

Das GSVBw-Fernmeldebetriebsgebäude ist, wie im V-Fall vorgesehen, mit 65 Personen zu belegen. Das Streitkräfteamt wurde um entsprechende Veranlassung gebeten. Zusätzlich erfolgte eine Bitte an das Sanitätsamt der Bundeswehr (SanAmtBw), einen Oberfeldarzt für die sanitätsdienstliche Begleitung des Belegungsversuches zu entsenden. Im Einvernehmen mit dem zuständigen Bereichsfernmeldeführer musste die Anzahl der teilnehmenden Sanitätsdienstgrade und Helfer festgelegt werden.

 

Sanitätsdienstliche Voraussetzungen

Anlässlich der vorausgegangenen Information teilte das Sanitätsamt der Bundeswehr am 14. Juli 1976 die folgenden ärztlichen Anforderungen schriftlich dem Infrastrukturstab der Bundeswehr mit:

Zitat aus dem Anforderungsschreiben des Sanitätsamtes der Bundeswehr an den Infrastrukturstab der Bundeswehr vom 14. Juli 1976:
Als Voraussetzung für einen 60-stündigen Einschluß ist ärztlicherseits zu fordern:

1.) Das die Teilnehmer zu Beginn der Übung gesund sind, d.h. nicht akuten Erkrankungen,
an Herz- und Kreislaufschäden,
an Asthma, oder asthmoider Bronchitis,
an schweren chronischen Magen- und Darmstörungen
(insbes., wenn Diät erforderlich ist) leiden.

Im Zweifelsfalle – und bei Schwerbeschädigten – sollte vorher eine Untersuchung erfolgen.

2.) Bereitstellung des für Notfälle ausgerüsteten KrKw der E-Stelle 91.

3.) 3 San-Dienstgrade, die auch an Reanimationsgeräten
(Wiederbelebungsgeräten) ausgebildet sind.

 

Handschriftliche Notizen aufgrund der ärztlichen Anforderungen:

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Stellungnahme des Wehrbereichskommandos

Am 11. August 1976 nahm das Wehrbereichskommando II in einem Schreiben an den Infrastrukturstab der Bundeswehr zum geplanten Luftregenerationstest Stellung. Die Ausstattung der GSVBw erfolgte mit der vorgesehenen Anzahl an SE-Liegen. Die infrastrukturellen Voraussetzungen für eine Belegung des Bunkers konnten damit als erfüllt betrachtet werden. Weiterhin wurde darauf hingewiesen, dass für den Einbau der Luftregenerationsanlagen und der erforderlichen Ausstattung (Mess- und Prüfgeräte) sowie für die notwendigen Abdichtungsmaßnahmen eine Vorlaufzeit von 14 Tagen einzurechnen ist. Nur wenn die Weisung zeitgerecht erteilt wird, kann der vorgeschlagene Zeitraum vom 21.09.1976 bis zum 23.09.1976 für die Truppenerprobung eingehalten werden.

Einberufung von Angestellten und Arbeitnehmern zur Einzelwehrübung

Am 13. August 1976 erfolgte die Einberufung von Angestellten und Arbeitnehmern zu einer Einzelwehrübung in der Zeit vom 20.09.1976 bis zum 24.09.1976. Die beantragte Einberufung wurde wie folgt begründet: Während des Luftregenerationsversuchs befindet sich der Fm-Bunker im Totalverschluss. Ein Austausch des Personals im Verlauf des Versuches ist daher nicht möglich. Für die Angestellten und Arbeitnehmer würden dadurch Überstunden anfallen, die aufgrund der angespannten Personallage nicht als Freizeitausgleich gewährt werden könnten. Die anfallenden finanziellen Aufwendungen in einer Höhe von etwa DM 7.500,00 können durch eine Einberufung zur Einzelwehrübung abgewendet werden.

Festlegung des Erprobungstermines

Die Festlegung des Erprobungstermines erfolgte in einem Schreiben des Infrastrukturstabes der Bundeswehr vom 17. August 1976:
Nach Eingang der im Vorgang aufgezeichneten Bestätigungen wird hiermit der Termin für die Durchführung der Erprobung in der GSVBw festgelegt. Der Anmarsch der Soldaten zu Auffüllung der K-Stärke wird bis

Dienstag, den 21. Sept. 76, 08.30 Uhr

erwartet, damit um 10 Uhr der Abschluss von der Außenluft erfolgen kann. Die Zahl der beizustellenden Soldaten der Fm-Truppe beinhaltet 4 Soldaten zur Reserve. Von den 3 Sanitätsdienstgraden befinden sich jeweils 2 im Schutzbau und werden auf die K-Stärke angerechnet.

Die persönliche Ausrüstung der Soldaten wird militärischerseits befohlen. Sie muss alle im V-Fall benötigten Gegenstände enthalten, jedoch darf während der Erprobung keine Gefechtsmunition und keine Übungsmunition mit in den Schutzbau gebracht werden. Es wird aus der Einsatzverpflegung versorgt. Da die Leistungsgrenze der Luftregenerationsanlage erprobt wird, liegt das Ende der Erprobung

zwischen Donnerstag, den 23.09.1976, 16.00 Uhr
und Freitag, den 24.09.1976, spätestens um 08.00 Uhr.

 

Handschriftliche Notiz im Bezug auf die Verpflegung während des Luftregenerationsversuches: Eine Verpflegung aus EPA’a (Einmannpackungen) ist nicht erforderlich. Jeweils Mittags soll in den Schleusenbereich eine Warmverpflegung, Abendbrot und Frühstück eingebracht werden.

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Probleme durch fehlendes Personal

Am 18. August 1976 wurde der zuständige Bereichsfernmeldeführer auf ein Problem hingewiesen: Die GSVBw-Dienststelle, in der die Erprobung durchgeführt werden soll, verfügt nicht über genügend Personal, um eine Belegung auf Soll-Stärke (65 Personen) des Fernmeldebetriebsgebäudes sicher zu stellen. Daher wird der Bereichsfernmeldeführer um die Kommandierung von weiterem Personal gebeten. Angefordert wurden 1 Unteroffizier und 21 Soldaten als Fernsprechpersonal, 1 Unteroffizier und 21 Soldaten als Fernschreibpersonal sowie 3 Soldaten (Sanitäter).

In einem Fernschreiben kündigt das WBK II die Kommandierung von 44 Soldaten einer Fernmeldekompanie sowie 3 Soldaten mit entsprechender Sanitätsausbildung zur Erprobung an:

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Der Erprobungsplan

Am 10.09.1976 wurde der Erprobungsplan in der Erprobungsstelle 91 der Bw fertig gestellt, und an folgenden Verteiler versendet:

-Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung
-Infrastrukturstab der Bw
-Heeresamt
-Wehrbereichskommando II
-Streitkräfteamt
-Sanitätsamt
-Bereichsfernmeldeführer
-Erprobende GSVBw
-Bundesamt für Zivilschutz

Im Erprobungsplan erfolgte eine detaillierte Auflistung der Tätigkeiten und Vorgehensweisen.

Auszug aus dem Erprobungsplan zur Erprobung der Luftregeneration in einer GSVBw:
1. Erprobungsanforderungen
In der GSVBw ist vom 21.9 bis 24.9.76 eine   Belegungsübung mit einer V-Besatzung von 65 Personen unter Außenluftabschluss und Luftregenerierung durchzuführen.2. Vorbereitende Arbeiten2.1 Von E91 sind in allen Räumen der GSV Bw die Luftraten für den Normalluftbetrieb zu messen, damit nach der Belegungs übung der Urzustand wieder eingestellt werden kann (evtl. Markierungen an den einstellbaren Zuluftgittern anbringen).2.2. Anfertigung und Einbau der Luftregenerationsanlage gemäß Ein-
bauskizze von ErpSt 91 vom 17.7.74.2.3. Einstellung der Luftmengen für die einzelnen Räume für Umluft-
betrieb unter Belegungsbedingungen (Berücksichtigung der Personen-
zahl).2.4. Evtl. Änderungen an der Luftführung aufgrund der Erfahrungen nach
Abs. 2.3.

2.5. Dichtigkeitsmessungen an allen Abschlüssen, Luftkanälen und Wand-
durchbrüchen.

2.6. Im Raum 20 ist für den Dieselmotor ein geschlossener Kreislauf
für Zuluft und Abgase nach außen herzustellen. Raum 20 muss in die
Regenerationslüftung einbezogen werden, weil in diesem Raum ständig
zu bedienende Schaltgeräte für die Lüftungsanlage installiert sind.
Außerdem sind die Wanddurchbrüche für Rohrleitungen zu angrenzenden
Räumen nur mit großem Aufwand abzudichten.

2.7. Batterieraum 5 und Abwasserhebeanlage in Raum 23 sind von Raum 36
über neu zu verlegende Rohrleitungen zu belüften. (getrennt von
der Regenerationsumlüftung).

2.8. Raum 30 (Damentoilette) wird nicht benutzt und daher nicht in die
Regenerationslüftung einbezogen.

2.9. Die rel. Luftfeuchtigkeit ist während der Belegung zwischen den
Werten 40% und 60% zu halten. Wird der Maximalwert überschritten,
sind bereitzuhaltende Trockenmittel einzusetzen. Die Verwendung
eines zusätzlichen Lufttrockners kann wegen Einbauschwierigkeiten
des Sekundärkreislaufes (Luftführung nach außen) nicht verwirklicht
werden.

3. Messaufbau

3.1. Luftanalyse
8 Messstellen sind in den Räumen: Raum 1, Raum 20, Raum 24 (3x),
Raum 35, Raum 41, und Raum 31 vorgesehen.

3.2. Temperaturmessungen
Insgesamt 10 Messstellen in folgenden Räumen: Raum 1, Raum 3, Raum 20,
Raum 24 (3x), Raum 35, Raum 41, Raum 31 und Raum 44.

3.3. Rel. Luftfeuchte
Wie unter Abs. 3.2.

3.4. CO2-Messungen
Raum 6 und Raum 10.

3.5. Blendendruckdifferenzmessungen für Luftmengen
Raum 24.

3.6. Filterwiderstandsmessungen
Der Gesamtwiderstand der 5 parallelgeschalteten Filter ist in
Raum 24 zu messen.

4. Personelle Bedingungen

4.1. Personalstärke
Belegungspersonal: 65 Mann
Davon GSV Bw-Personal (zivil): 20 Mann
Technisches Personal: 2 Mann
Zusatzpersonal (Soldaten): 41 Mann
Sanitätspersonal (Soldaten): 3 Mann (2 innen, 1 außen)
Reserve (Soldaten):

4.2. Ausrüstung
Die Ausrüstung der Soldaten Umfasst alle für den V-Fall benötigten
Gegenstände (Kampfausrüstung gemäß STAN).

4.3. Versorgung
Alle 24 Stunden sind fertige Gerichte für das gesamte Personal
in den Schutzraum zu bringen. Das Kochen im Schutzraum sollte
unterbleiben.

4.4. Psychologische Untersuchungen
E 91 kann z. Zt. keine psychologischen Untersuchungen durch-
führen und auch keine Hilfestellung geben.

5. Erprobungsablauf

5.1. Vorbereitende Arbeiten wie Umrüstung
Einbau der Messausrüstung usw.: 36. – 37. Woche

5.2. Probelauf ohne Regeneration: 38. Woche

5.3. Einstieg des Belegungspersonales: 21.9. 9.00 Uhr

5.4. Abschluss von der Außenluft: 21.9. 10.00 Uhr

5.5. Filterwechsel während der Belegung nach einem
mit dem Hersteller abzusprechenden zeitlichen
Wechselrhythmus (Filter mit lfd. Nr. versehen)

5.6. Nach Erreichen des Beharrungszustandes, 8h Diesellauf
(GSV Bw)

5.7. Ca. 2 Stunden vor voraussichtlichem Ende der Belegungsübung
mit gering dosierter Menge Tränengas Schachtköpfe und Eingangs-
bereich auf Dichtigkeit untersuchen.

5.8. Feststellung der Einsatzfähigkeit des Personals nach der
Belegung (Sanitätsamt, Oberfeldarzt).

5.9. Überprüfung der Unterbringung von Personal und Ausrüstung
(GSV Bw)

6. Sonstiges

6.1. Bereitstellung eines Krankenwagens während der Belegung.

6.2. Nach Erprobungsbeginn ist für die Dauer der Belegung das
Betreten des Schutzbaues nicht mehr möglich.

 

Um die Aufrechterhaltung des Dienstbetriebes während der Erprobung sicher zu stellen, hielt man es für erforderlich, auch einen fernmeldetechnischen Mitarbeiter der Deutschen Bundespost am Luftregenerationsversuch teilnehmen zu lassen. Am 10.09.1976 erfolgte eine entsprechende schriftliche Anfrage an die zuständige Dienststelle der Deutschen Bundespost. Hier ein Auszug:

teilnahme dbp - Virtuelles GSVBw-Museum: Luftregenerationsversuch - Der Erprobungsauftrag - Virtuelles GSVBw-Museum, Bunker, Atombunker, Fernmeldebunker, Luftschutzbunker, Zivilschutzanlage, Museumsbunker, Bunkermuseum, GSVBw

 

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