Virtuelles GSVBw-Museum: Filtereinrichtungen

GSVBw – Die Grundnetzschalt- und Vermittlungsstellen der Bundeswehr

Filtereinrichtungen

Das Fernmeldebetriebsgebäude (Objekt 1) erhielt zur Reinigung der angesaugten Außenluft verschiedene Filtereinrichtungen. Die Nutzung dieser Filtereinrichtungen erfolgte ausschließlich über die Schutzbelüftungsanlage. Im Normalbetrieb fand eine Be- und Entlüftung des Fernmeldebetriebsgebäudes über die Normalbelüftungsanlage statt. Schutzräume sollen einen Schutz gegen die Wirkung herkömmlicher (konventioneller) Waffen und atomarer Waffen bieten. Bei diesem Waffenspektrum werden wirksame Schutzkomponenten gegen hohe Temperatureinwirkungen, Treffer- und Splitterwirkungen, Druckstoßwellen sowie gegen atomare Verstrahlungen, chemische Vergiftungen und bakteriologische Verseuchungen benötigt. Während ein Schutz vor mechanischen Einwirkungen durch die Bauwerkskonstruktion als Ganzes sicher gestellt werden sollte, musste die Schutzbelüftungsanlage den Atemschutz gewährleisten. In der GSVBw wurde ein mehrstufiges Filterkonzept umgesetzt.

 

1.Stufe: Grobsandfilter

Die Bemessung eines Grobsandfilters richtet sich nach der benötigten Luftmenge im Schutzfall. In einer GSVBw wurden für den Aufbau eines ausreichend dimensionierten Grobsandfilters 30m3 Grobsand benötigt. Dieser wurde in Sandbehältern mit einer Schütthöhe von 1m gefüllt. Um die dafür notwendige Grundfläche bereit zu stellen, wurden die Sandbehälter in der GSVBw übereinander in 2 Etagen im Raum 25 angeordnet. Die Luftzufuhr erfolgt über das Zuluftbauwerk. Die Außenluft wird oberhalb der Sandfüllung in den Grobsandfilter eingeführt. Dort durchströmt sie die 1m starke Grobsandschicht, die auf einem Sammelrost lagert, und konstruktionsbedingt ein gleichmäßiges Durchströmen der Sandfüllung sicher stellt.

 

2.Stufe: Raumluftfilter

Die durch den Grobsandfilter geführte Außenluft gelangt durch ein Rohrsystem in den Raum 24 (Lüftungs- und Klimaanlage). Über Schließklappen besteht dort die Möglichkeit, den Luftstrom direkt auf die Saugseite des Schutzluftgebläses zu führen. Durch entsprechende Einstellung der Schließklappen im Rohrsystem kann der Luftstrom zusätzlich durch die im Raum 24 platzierten Raumluftfilter geleitet werden, bevor die Saugseite des Schutzlüfters erreicht wird. Der Ausgang des Schutzluftgebläses führt in das Belüftungssystem des Fernmeldebetriebsgebäudes. Auch die Dimensionierung der Raumluftfilter richtete sich nach der benötigten Luftmenge im Schutzfall. Im Fernmeldebetriebsgebäude wurde vorgesehen, durch 3 parallel betriebene Raumluftfilter der Größe R10 ein Filtervolumen von 30m3 pro Minute zu gewährleisten.

 

Druckmindernde Wirkung eines Grobsandfilters:

Für den stetigen Luftstrom, der aufgrund der Saugwirkung durch den Betrieb des Schutzluftgebläses durch die geschüttete Grobsandschicht strömt, stellt ein Grobsandfilter bei den vorgesehenen Abmessungen keinen großen Widerstand dar. Für eine schnell ansteigende Druckwelle aber nimmt dieser Widerstand durch die zusätzlich einwirkende Energie stark zu. Ein „Durchschlagen“ der Druckwelle durch das Rohrsystem in den Schutzbau wird durch die abschwächende Wirkung stark aufgefangen.

 

Schutz vor hohen Temperaturen durch den Grobsandfilter:

Die Eigenschaften eines geschütteten Grobsandfilters wurden in Testreihen überprüft. Das thermische Speichervermögen der Grobsandmasse gewährleistet das sichere Auffangen hoher Wärmemengen.

 

Schutz vor chemischen Kampfstoffen durch einen Grobsandfilter:

Die Filterleistung eines Grobsandfilters gegen chemische Kampfstoffe, die in nebelförmigen oder gasförmigen Zustand vorliegen können, wurde durch Prüfungen als ausreichend angesehen. Diese Aussage bezog sich auf das Einwirken einer üblichen Angriffskonzentration der Kampfstoffe.

 

Grobsandfilter gegen radioaktiven Staub:

Bei durchgeführten Messungen wurde festgestellt, das radioaktiver Staub um bis zu 99,95% im Grobsandfilter zurückgehalten wird. Auch bei einer Staubbeschaffenheit von kleinsten, schwebenden Staubteilchen und starker Verschmutzung der Außenluft durch Trümmerstaub arbeitet ein Grobsandfilter mit hohem Wirkungsgrad.

 

Filtern von bakteriologischen Kampfstoffen im Grobsandfilter:

Bakteriologische Kampfstoffe wurden als schwebende Kampfstoffe klassifiziert. Auch gegen die Stoffe zeigt der geschüttete Grobsand eine Filterwirkung.

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Im Raum 36 befindet sich diese Panzerdrucktür, die in den Grobsandfilter (Raum 25) führt. Durch die offene Konstruktion des Grobsandfilters muss im Filterraum mit der Wirkung von Kampfstoffen gerechnet werden. Daher ist der Zugang zum Grobsandfilter in besonderer Bauweise ausgeführt.
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Nach dem öffnen der äußeren Panzerdrucktür kann der Grobsandfilter (Raum 25) erst durch einen kleinen Vorraum und über eine weitere Panzerdrucktür erreicht werden.
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Im Fernmeldebetriebsgebäude einer anderen GSVBw ist der Verbindungsraum zwischen den beiden Panzerdrucktüren, wie vorgesehen, mit strahlungsabschirmenden Formsteinen gefüllt.
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Blick in den geöffneten Grobsandfilter (Raum 25) mit den übereinander angeordneten Sandbehältern.

 

Wirkungsweise der Raumfilter:

Im Raumfilter sind zwei Filterkomponenten in einem gemeinsamen Gehäuse untergebracht. Zum einen besteht ein Raumfilter aus einem Schwebstofffilter mit Filterwirkung gegen nebelförmige, schwebende Kampfstoffe. In diesem Filterbereich kommt ein spezieller gefalteter Filterkarton zum Einsatz. Die zweite Komponente wirkt gegen gasförmige Kampfstoffe und besteht aus einer Schicht gekörnter Aktivkohle.

 

Wartungsanweisung für Raumluftfilter in Schutzbauten der Bundeswehr

Die Wartungsanweisung für Raumluftfilter in Schutzbauten der Bundeswehr sah vor, das halbjährlich eine Sichtprüfung der Raumluftfilter vorgenommen werden musste. Unleserliche Beschriftungen waren auszubessern oder zu erneuern. Schäden an der Lackierung oder Roststellen mussten beseitigt werden. Bei Verformungen, Risse, Löcher sowie Bruchstellen wurde der Raumluftfilter ausgetauscht. Bei beschädigter Verplombung musste eine jährlich vorgeschriebene Gewichtsprüfung durchgeführt werden, und bei Bedarf ein Austausch eingeleitet werden. Aufgrund der Beschaffenheit des Filtermaterials bestand die Möglichkeit, das Feuchtigkeit im Filter aufgenommen wurde. Diese Feuchtigkeitsaufnahme wurde durch wiegen des Filters überprüft. Überschritt das Gewicht des Raumluftfilters einen durch den Hersteller festgelegten Toleranzbereich, musste auch hier ein Filteraustausch vorgenommen werden.

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Im Raum 24 (Lüftungs- und Klimaanlage) befinden sich die Vorrichtungen zur Aufnahme von 3 Raumluftfiltern R10. Anstelle der Raumluftfilter wurden 3 Winkelrohre zur Funktionsprüfung verbaut. Die Schließklappen, die eine Umgehung der Raumluftfilter gestatten, sind in der Luftzuführung zu erkennen.
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In einer weiteren GSVBw lagern die verplombten Raumluftfilter im Raum 22 (Hochspannungsraum).
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Raum 24 in einer GSVBw: Hier wurden die verplombten Raumluftfilter direkt am vorgesehenen Anschlusspunkt platziert. Im Einsatzfall mussten die Verschlussplatten am Filter entfernt und die elastischen Verbindungszwischenstücke zwischen Filter und Belüftungsrohrleitung eingesetzt werden.

 

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