Virtuelles GSVBw-Museum: Das Bundeswehrgrundnetz BwGN

GSVBw – Die Grundnetzschalt- und Vermittlungsstellen der Bundeswehr

Das Bundeswehrgrundnetz BwGN

Die anfängliche Überlegung der Bundeswehr, ein eigenes und festes Fernmeldekabelnetz zu schaffen, wurde wieder verworfen: Die Kräfte der Bw-Fernmeldetruppen hätten für den Betrieb und die Wartung eines eigenen Fernmeldenetzes nicht ausgereicht. Die von der Truppe im oberirdischen Bau erstellten „beweglichen Netze“ wiesen eine hohe Störanfälligkeit auf. Zusätzlich waren Fernmeldeverbindungen in dieser Bauart stark durch Sabotage und Waffenwirkung gefährdet. Aufgrund dieser Erkenntnis erfolgte der Entschluss, auf das feste Leitungsnetz der Deutschen Bundespost zurück zu greifen. Das Bundeswehrgrundnetz (BwGN) bestand daher aus angemieteten Leitungen und Richtfunk-Übertragungsstrecken der Deutschen Bundespost. Als besonderes Merkmal wurde z.B. eine größere Sicherheit gegen Waffenwirkung durch die engmaschige Netzstruktur sowie die Weitsprechfähigkeit durch die Nutzung der Trägerfrequenz-Technologie (TF) aufgeführt. Die sichere Führung dieser Leitungswege in Kabeltrassen sorgte für eine geringere Störanfälligkeit.

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Trägerfrequenzfernverbindungskabel (TFFVK) im Kabelaufteilungsraum des Fernmeldebetriebsgebäudes.

Die Struktur des Fernmeldekabelnetzes der Deutschen Bundespost beinhaltete aus militärischer Sicht aber auch einige Nachteile: Die Verstärkerstellen, die für den Betrieb der TF-Verbindungswege benötigt wurden, lagen meist in ungeschützten Gebäuden. Die Kabeltrassen führten häufig durch Großstädte und Industriegebiete hindurch oder unmittelbar daran vorbei. Auch Brücken fanden oft Verwendung zur Trassenführung von Fernmeldeleitungen. Im Kriegsfall würden diese Objekte jedoch eine hohe Zielwertigkeit besitzen. Ein „Fm-Sonderbauprogramm“ finanzierte die erforderlichen Maßnahmen zur Behebung dieser Nachteile. Diese Maßnahmen umfassten z.B. Kabelumgehungsringe außerhalb von Großstädten und Industriegebieten sowie die Verlegung der Kabeltrassen von verkehrswichtigen Brücken. Weiterhin erfolgte eine Verstärkung des Kabelnetzes durch zusätzliche Vermaschungen.

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Der Kabelaufteilungsraum im Fernmeldebetriebsgebäude der GSVBw21 Springe/Lüdersen.

An geeigneten Stellen in diesem Fernmeldekabelnetz (Kreuzungs- oder Sammelpunkte des Kabelnetzes) wurden außerhalb von Städten und Industriegebieten die GSVBw errichtet. Die GSVBw stellte die fernmeldetechnische Versorgung der umliegenden Bundeswehrliegenschaften sicher. Im BwGN wurden Nebenstellenanlagen (NStAnl) über Querverbindungen zu einem weitverkehrsfähigen Kommunikationsnetz zusammengeschaltet. Nebenstellenanlagen unterscheiden zwischen Intern- und Amtsverkehr, wobei im ersten Fall eine Kommunikation zwischen den einzelnen Nebenstellen über einen sogenannten Innenverbindungssatz innerhalb der NStAnl abgewickelt wird, und im zweiten Fall die Kommunikation zwischen einer Nebenstelle und einem Teilnehmer im öffentlichen Fernsprechnetz stattfindet. Aus der Sicht des Weitverkehrsnetzes bildeten sie die unterste Vermittlungsebene, und wurden deshalb auch als Endvermittlung/Nebenstellenanlage (EndV/NStAnl) bezeichnet.

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Das Durchschaltfeld im Kabelaufteilungsraum ermöglichte das Schalten von Primärgruppen auf die GSVBw-Technik, oder das direkte Durchschalten von Primärgruppen auf weiterführende TFFVK.
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Die handbediente Fernvermittlungsstelle in der GSVBw21.

Die Schaltbefugnis in diesem Bundeswehrgrundnetz lag bei der Fernmeldehauptkommandantur (FmHptK). In diesem Zusammenhang wird die FmHptK auch als Deutsche NALLA (National Long Lines Agency) bezeichnet. In der Hierarchie der militärischen Schaltorganisation folgen die Bereichsfernmeldeführer (BerFmFhr) und die GSVBw. Die Bereichsfernmeldeführer wurden im Dienstort der jeweiligen Oberpostdirektion stationiert. Durch diese Maßnahme konnte eine enge und zeitnahe Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundespost sicher gestellt werden. Die Aufgaben des Bereichsfernmeldeführer umfassten die Beratung militärischer Stäbe, Truppen und Dienststellen bei der Inanspruchnahme von fernmeldetechnischen Einrichtungen und Leistungen. Zusätzlich erfolgte durch den Bereichsfernmeldeführer die Weitergabe dieser Anforderungen an die entsprechenden Dienststellen sowie die Überwachung der Umsetzung. Auch die Beratung der Oberpostdirektion in Angelegenheiten der Landesverteidigung und in der Zusammenarbeit mit militärischen Dienststellen gehörten zum Aufgabenbereich des Bereichsfernmeldeführers.

Die Aufgaben einer GSVBw im BwGN konnten aus fernmeldetechnischer Sicht wie folgt zusammen gefasst werden:

-Funktion einer Niederfrequenzschaltstelle für weitverkehrsfähige Leitungen.
-Schnelle Anpassung der fernmeldetechnischen Anforderungen an jeweilige taktische Lagen.
-Trägerfrequenzschaltstelle
-Bereitstellung von Anschlusspunkten für militärische Netze.
-Bereitstellung von Anschlusspunkten für Truppenleitungen (bewegliche Netze).
-Vermittlung des Bw-Fernsprechverkehrs.
-Vermittlung des Bw-Fernschreibverkehrs.
-Geschützte Verstärkerstelle der Deutschen Bundespost.

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Schaltverteiler im Fernmeldebetriebsgebäude.
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Im Raum 13N des Fernmeldebetriebsgebäudes wurden unter anderem auch Trägerfrequenzgeräte und Allverstärker (AllVrSt) für Truppenleitungen betrieben.

Um die Anzahl der benötigten Übertragungswege und den damit verbundenen Leitungsaufwand gering zu halten, wurden die Querverbindungsleitungen zwischen den einzelnen EndV/NStAnl in Verteil- und Durchgangsvermittlungen (VV und DV) geführt, und dort über Vermittlungseinrichtungen zusammengeschaltet. Zum Einsatz kamen hier handbediente Fernvermittlungsstellen (FernVStHand), die sich an der Technik der von der Deutschen Bundespost im öffentlichen Fernsprechnetz eingesetzten FernVStHand F57 orientierten. Da diese handbediente Fernvermittlungsstelle gegenüber der FernVStHand F57 einige technische Abweichungen aufwies, und deren Einsatz auch nicht im öffentlichen Fernsprechnetz stattfand, wurde sie im allgemeinen auch als 4-Draht-Vermittlungsstelle der Bw bezeichnet.

Für die Querverbindungen wurden neben Richtfunk-Übertragungsstrecken auch Übertragungswege auf Trägerfrequenzfernleitungen der Deutschen Bundespost verwendet. Aufgrund der besonderen Technik, die hier zum Einsatz kam, mussten in den einzelnen GSVBw Verstärkerstellen (VrSt) der Deutschen Bundespost eingerichtet werden, die auch für die öffentliche Fernsprechkommunikation genutzt wurden. Der Betrieb und die Wartung dieser Anlagen erfolgte durch Mitarbeiter der Deutschen Bundespost. Zum Betrieb der Trägerfrequenzfernverbindungskabel (TFFVK) wurden TF-Geräte vom Typ VZ12 eingesetzt. Auf einer Verbindungsleitung (PG=Primärgruppe) konnten durch den Einsatz des VZ12 mittels Frequenzverschiebung insgesamt 12 Fernsprechverbindungen gleichzeitig übertragen werden. Ein Durchschaltfeld ermöglichte das Schalten von TFFVK-PG’s über den GSVBw-Schaltverteiler auf das VZ12. Dort wurde die PG in die 12 einzelnen NF-Lagen aufgelöst, die dann in der GSVBw aufgeschaltet wurden. Auch das direkte Durchschalten einer oder mehrere PG zwischen verschiedenen TFFVK erfolgte am Durchschaltverteiler.

Weiterhin wurden auch Fernschreibvermittlungen in den GSVBw betrieben. In der GSVBw 21 kam das Modell D20/200 zum Einsatz. Es diente zum Vermitteln des Fernschreibverkehrs auf direkt angebundene Fernschreiber oder auf FS-Endgeräte, die über die vorhandenen Schalt- und Vermittlungseinrichtungen erreicht werden konnten. Um die BwGN-Verbindungen über die TFFVK-Technik auch für den Fernschreibverkehr zu nutzen, wurde das Wechselstrom-Telegrafie-Gerät (WT) eingesetzt. Das WT ermöglichte, je nach Bauform (WT 4/6/12 – Kanal) die Nutzung einer NF-Lage für mehrere Fernschreibverbindungen.

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BwGN-Verbindungen: Eine benachbarte GSVBw verfügt über acht geschaltete Primärgruppen zu anderen GSVBw. Hier sind Verbindungen nach Ankum (GSVBw26), Bad Kreuznach (GSVBw42), Drangstedt (GSVBw22), Euskirchen (GSVBw37), Jackerath (GSVBw31), Lüdersen (GSVBw21), Welschbillig (GSVBw46) und Birten (GSVBw33) aufgeschaltet.
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Detail: Die Primärgruppe zur GSVBw21 Lüdersen wird über ein TF-Gerät VZ12 geschaltet. In NF-Lage sind die Kanäle 1 und 5 beschaltet. Die Leitungsverbindung wurde zum 23.12.1994 gekündigt.

Die Möglichkeit, Fernmeldeverbindungen der Truppe, die bei Bedarf mittels Feldkabelbau errichtet wurden, in die Kommunikation mit einzubeziehen, wurde durch einen Kabelaufschaltepunkt (Objekt3), der außerhalb des Fernmeldebetriebsgebäudes errichtet wurde, sicher gestellt.

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