September 2008

Zur Ergänzung unserer August-Aktivitäten möchten wir noch einen kleinen Reisebericht nachreichen. Ein Vereinsmitglied reiste aus dem Saarland nach Berlin, um sich ein Bild über die dortigen Museumsaktivitäten zu machen. Im Hinblick auf unsere eigenen Pläne in dieser Angelegenheit haben wir uns angeschaut, wie andere Vereine mit der Thematik umgehen. An dieser Stelle möchten wir uns deshalb besonders bei dem Verein „Berliner Unterwelten e.V.“ für die Unterstützung bedanken.

In der letzten August Woche reiste ein Vereinsmitglied nach Berlin. Auf dem Plan stand die Besichtigung des Bunkers 5001 (Honecker-Bunker), der Ende des Jahres verschlossen werden soll, und diverse Touren der Berliner Unterwelten. Ungeplant kam – auf Grund eines Tipps während der Besichtigung des Honecker-Bunkers – der Bunker-Wollenberg hinzu.

Am ersten Tag stand Tour 1 – „Dunkle Welten“ auf dem Besichtigungsplan. Diese Tour führt hinter die Türen der U-Bahn Station „Gesundbrunnen“. Ursprünglich waren die Räume als Versorgungsräume für die Berliner Verkehrsbetriebe gedacht, wurden aber im 2. Weltkrieg trotz ungenügender Deckenstärke zum Luftschutzbau erklärt.

Anschließend an die Tour gab es eine Sonderrunde, betreut durch einen Zeitzeugen, zur fotografischen Dokumentation der Anlage – die Genehmigung hierzu wurde im Vorfeld auf Antrag von dem Verein „Berliner Unterwelten e.V.“ freundlicherweise erteilt. Herr Schubbel konnte noch weitere interessante Geschichten vom Leben im Luftschutzbau erzählen.

In der Luftschutzanlage “Berliner Unterwelten-Museum”.
In der Luftschutzanlage “Berliner Unterwelten-Museum”.
Handbedienung eines Luftschutzraum-Belüfters.
Handbedienung eines Luftschutzraum-Belüfters.

 

Da der Tag noch jung war wurde kurzentschlossen noch die „Germania“-Ausstellung der Berliner Unterwelten besucht. Hier wurde in musealem Ambiente auf vielen Tafeln über die geschichtlichen Hintergründe und Planungen zum Bau von „Germania“ informiert; ein riesiges Modell veranschaulichte die Anordnung und Dimensionen dieses gigantischen Vorhabens.

Germania-Ausstellung des Berliner Unterwelten e.V.
Germania-Ausstellung des Berliner Unterwelten e.V.

 

Am nächsten Tag war der Termin für die Begehung des Objekts 17/5001, des Honecker Bunkers. Da man ja viel sehen möchte, wenn man soweit anreist, war im Vorfeld die „Tough Guys“ Tour gebucht worden. Diese Tour führte vier Stunden lang durch den Bunker. Dank der sehr engagierten Führung von Herrn Hensel konnte man einerseits viel Wissenswertes über das Bauwerk erfahren und andererseits auch fast alle noch so schwer zu erreichenden Ecken dieses gigantischen Bauwerkes erkunden. Schier unzählige Fotos konnten für private Zwecke angefertigt werden.

Abstieg zum Zugangstunnel.
Abstieg zum Zugangstunnel.
Dispatcher-Raum.
Dispatcher-Raum.
Aufstieg aus der Drainage.
Aufstieg aus der Drainage.
Tragwerk 4.
Tragwerk 4.

 

Freitags standen wieder zwei Touren der Berliner Unterwelten auf dem Programm: Tour 2 – „Vom Flakturm zum Trümmerberg“ und Tour 3 – „U-Bahn, Bunker und Kalter Krieg“.

Tour 2 fand komplett im Flakturm im Humboldthain statt. Durch einen vom Verein freigemachten Eingang des sonst verschlossenen Bauwerkes kommt man als Besucher im obersten Stock des Flakturms an. Auch hier erfuhr man wieder sowohl Wissenswertes über den Bau und das Leben im Flakturm und verwandten Anlagen, als auch über den Aufwand des Vereins „Berliner Unterwelten“, der nötig war, um den Flakturm heute dem Publikum zeigen zu können. Hier sei nur erwähnt, dass man versuchte die Treppe freizulegen, dies aber aufgeben und durch ein Provisorium ersetzen musste, da das auf dem Flakturm stehende Denkmal drohte in den Flakturm zu rutschen. Auch auf dieser Tour gab es nach der offiziellen Führung noch kurz Gelegenheit, ein paar Fotos dieses sehr beeindruckenden Ortes zu machen.

Eingang zum Flakbunker.
Eingang zum Flakbunker.
Im Obergeschoss des Flakbunkers.
Im Obergeschoss des Flakbunkers.
Teilweise eingestürzte Decke im Flakbunker.
Teilweise eingestürzte Decke im Flakbunker.

 

Tour 3 bestach vor allem durch Herrn Wohlfahrt’s „leicht“ sarkastische Darstellung des Luftschutzsystems gestern und heute. Selten wurde die abstruse Notfallplanung so treffend auf den Punkt gebracht. Die Tour führte durch die Räume eines Bunkers unter einer vielbefahrenen Straße und beinhaltete auch eine U-Bahn-Fahrt zu einer speziellen U-Bahn-Station, die vorbereitet war, in Kriegszeiten als Luftschutzanlage zu dienen.

Schutzanzüge vor dem Notausgang eines Tiefbunkers.
Schutzanzüge vor dem Notausgang eines Tiefbunkers.
Bettenraum in der Luftschutzanlage einer U-Bahnstation.
Bettenraum in der Luftschutzanlage einer U-Bahnstation.

 

Am letzten Tag wurde Tour 4 – „Faszination Rohrpost“ besucht. Schon auf einer der anderen Touren der Berliner Unterwelten wurde erwähnt, dass das Gebäude, in dem sich die Reste der Rohrpostanlage befinden, leider verkauft wurde und noch unklar ist, wie der neue Besitzer zu einer Weiternutzung der betreffenden drei Räume für Führungen steht. Aus diesem Grund nahm sich das Vereinsmitglied schon vor, die bestehende Fotografiererlaubnis besonders ausgiebig zu nutzen; sie stellte sich allerdings hier als überflüssig heraus: ein sichtlich über die ungewisse Lage gefrusteter Herr Arnold erteilte allen Besuchern die Erlaubnis wild drauflos zu fotografieren – wohl in der Hoffnung, dass die Anlage dokumentiert bzw. die drohende Vernichtung publik gemacht wird.

Sende- und Empfangsapparate der Rohrpost.
Sende- und Empfangsapparate der Rohrpost.
Fahrrohre der Rohrpost.
Fahrrohre der Rohrpost.

 

Auf dem Heimweg wurde außerplanmäßig der Bunker Wollenberg besichtigt. Auch hier stieß man auf sehr engagierte Vereinsmitglieder, die mit viel Fleiß und Liebe zum Detail eine umfangreiche Sammlung aufgebaut haben. Besonders Fahrzeugfans kommen hier auf ihre Kosten, was natürlich den Erlebniswert der vollständig begehbaren, großen Bunkeranlage nicht schmälern sollte.

Rückblickend waren es sehr interessante Tage, die Berlin auch einmal aus ungewohnter Perspektive zeigten und sehr interessante Einblicke in vergangene Zeiten gaben sowie den Irrglauben an einen Schutz der Bevölkerung zu Zeiten des Kalten Krieges hautnah vermittelten.
Herzlichen Dank auf diesem Wege an den Verein „Berliner Unterwelten e.V.“ für die freundliche Betreuung und die Fotoerlaubnis! Die Mitglieder des Vereins sind sehr engagiert, die Vorträge bei den einzelnen Touren vermitteln sehr gut die Vorstellung, wie es früher dort war, was auch durch die gezeigten Einrichtungen und Exponate unterstrichen wird. Eine unbedingte Empfehlung für Berlin-Reisende!

 

Aber nun zu unseren September-Aktivitäten:

In unserer Vereins-Anlage konnte nach tagelanger Suche ein technisches Problem erfolgreich gelöst werden: Die Kühlwasserversorgung für das Diesel-Aggregat machte uns zu schaffen. Erst zerlegte sich eine Wellenkupplung der Kühlwasser-Pumpe, dann stellte sich kein ausreichender Wasserdruck ein. Aufgrund der unübersichtlichen Leitungsführung auf etwa 50 Metern Leitungslänge war die Suche nach dem Fehler nicht einfach. Schließlich konnten wir einen verstopften Druckminderer als Ursache entdecken. Nach einer ausgiebigen und sehr nassen Reinigung dieses Teils funktioniert der Wasserumlauf wieder.

Im ständig feuchten Bereich der Eingangstreppe wurden die letzten defekten Neonlampen repariert. Das Bauwerk ist nun wieder vollständig beleuchtet.

Der Dieselmotor wird grundsätzlich mit einer Verlustkühlung genutzt. Das bedeutet, dass Kühlwasser am Wärmetauscher vorbeiströmt und danach in das außen liegende Rückhaltebecken gepumpt wird. Im Rahmen eines Versuchs haben wir eine Umlaufkühlung improvisiert. Das Kühlwassersystem besitzt einen Leitungsabgang, um im Notfall die Duschen im Dekontaminationsbereich mit Warmwasser zu versorgen. Diese Leitung wurde nun mittels Schlauch in den Zwischenbehälter im Brunnenraum umgeleitet. Hintergrund: Für die regelmäßigen Wartungsläufe des Dieselmotors muss nun nicht ständig neues Wasser gefördert werden. Das Schlauch-Provisorium soll kurzfristig durch eine versteckt geführte, feste Leitung ersetzt werden.

Im Außenbereich standen weitere Pflegearbeiten an. Neben dem Wartungsschacht des Bunkers wurde auch ein Ringstand gesäubert. Eingedrungenes Laub hatte den Wasserabfluss verstopft, so dass es zu regelmäßigen Überschwemmungen kam.

Arbeiten im oberen Bereich des Transportschachtes, zugleich Notausstieg “A”.
Arbeiten im oberen Bereich des Transportschachtes, zugleich Notausstieg “A”.
Reinigungsarbeiten im Ringstand.
Reinigungsarbeiten im Ringstand.
Reparatur und Wiederinbetriebnahme der Leuchtstofflampen im Bereich der Eingangstreppen.
Reparatur und Wiederinbetriebnahme der Leuchtstofflampen im Bereich der Eingangstreppen.
Nachträglich installierte Rücklaufleitung für Kühlwasser aus dem äußeren Kühlwasserkreislauf im Raum 20.
Nachträglich installierte Rücklaufleitung für Kühlwasser aus dem äußeren Kühlwasserkreislauf im Raum 20.
Die Kühlwasserrückleitung führt aus Raum 20 durch die Flure (Raum 45 und Raum 44) in den Zwischenbehälter im Brunnenraum (Raum 12N).
Die Kühlwasserrückleitung führt aus Raum 20 durch die Flure (Raum 45 und Raum 44) in den Zwischenbehälter im Brunnenraum (Raum 12N).

 

Einige Vereinsmitglieder besuchten im September ein relativ junges Museumsprojekt in Ilbenstadt/Hessen. Der Bürgermeister, Herr Dr. Hertel, macht sich für die Museumsnutzung einer ehemaligen Führungsstelle zur Koordinierung des Zivilschutzes stark. Einige ehrenamtliche Helfer kümmern sich um die Erhaltung des unterirdischen Relikts aus der Zeit des Kalten Krieges. Die Vereinsmitglieder des Vorbei e.V. konnten sich ein ausführliches Bild von der geleisteten Arbeit machen und möchten auf diesem Weg den ehrenamtlichen Helfern um Herrn Köppe für ihre gute Arbeit danken. Ein vorbildliches Beispiel für praktizierten Denkmalschutz. Über Besichtigungstermine für diese bundesweit einmalige Anlage kann sich der interessierte Besucher im Internet unter http://www.bunker-ilbenstadt.de informieren.

Die Zivilschutz-Führungsstelle befindet sich in einem unterirdischen Schutzbau, der über drei Etagen verfügt. Über einen Treppenabgang wird die äußere Schleusentür erreicht. Mit hydraulischen Vorrichtungen können die Schleusentüren automatisch geöffnet und geschlossen werden.
Die Zivilschutz-Führungsstelle befindet sich in einem unterirdischen Schutzbau, der über drei Etagen verfügt. Über einen Treppenabgang wird die äußere Schleusentür erreicht. Mit hydraulischen Vorrichtungen können die Schleusentüren automatisch geöffnet und geschlossen werden.
Die innere Schleusentür führt in den Eingangsflur. Dort befindet sich auch die Steuerung der hydraulischen Schleusentüren.
Die innere Schleusentür führt in den Eingangsflur. Dort befindet sich auch die Steuerung der hydraulischen Schleusentüren.
Der Raum 113 wurde für die Funktion “Aufnahme und Weitergabe” von Nachrichten vorgesehen. Das Fenster mit der Durchreiche für Nachrichtenvordrucke führt in den Führungsraum.
Der Raum 113 wurde für die Funktion “Aufnahme und Weitergabe” von Nachrichten vorgesehen. Das Fenster mit der Durchreiche für Nachrichtenvordrucke führt in den Führungsraum.
Raum 119: Die Fernsprechvermittlung.
Raum 119: Die Fernsprechvermittlung.
Raum 109: Der Führungsraum. Im Belegungsfall hätte hier der Führungsstab einen Überblick über die Schadenslage behalten und die Einsätze der zivilen Rettungs- und Hilfsorganisationen koordiniert.
Raum 109: Der Führungsraum. Im Belegungsfall hätte hier der Führungsstab einen Überblick über die Schadenslage behalten und die Einsätze der zivilen Rettungs- und Hilfsorganisationen koordiniert.
Im zweiten Untergeschoss: Der Türdurchgang links führt in die Küche. Neben dem Durchgang befindet sich eine Durchreiche zur Essensausgabe. Die rechte Tür führt in den Aufenthaltsraum für Männer.
Im zweiten Untergeschoss: Der Türdurchgang links führt in die Küche. Neben dem Durchgang befindet sich eine Durchreiche zur Essensausgabe. Die rechte Tür führt in den Aufenthaltsraum für Männer.
Raum 207: Die Brunnenstube. Der Raum beinhaltet neben dem Tiefbrunnen verschiedene Vorrichtungen zur Wasseraufbereitung.
Raum 207: Die Brunnenstube. Der Raum beinhaltet neben dem Tiefbrunnen verschiedene Vorrichtungen zur Wasseraufbereitung.
Der Flur im dritten Untergeschoss: Der geöffnete Durchgang links führt in den Raum 313 (Lufttechnische Anlagen). Rechts daneben die geschlossene Tür zum Raum 312 (Sachbearbeiter Technik), zugleich Durchgang zum Raum 316 (Niederspannungs-Hauptverteilung) und Raum 319 (Netzersatzanlage).
Der Flur im dritten Untergeschoss: Der geöffnete Durchgang links führt in den Raum 313 (Lufttechnische Anlagen). Rechts daneben die geschlossene Tür zum Raum 312 (Sachbearbeiter Technik), zugleich Durchgang zum Raum 316 (Niederspannungs-Hauptverteilung) und Raum 319 (Netzersatzanlage).
Die Netzersatzanlage im Raum 319 besteht aus zwei Generatoren, die mit Dieselmotoren angetrieben werden.
Die Netzersatzanlage im Raum 319 besteht aus zwei Generatoren, die mit Dieselmotoren angetrieben werden.
Raum 317: Schlafraum für Männer.
Raum 317: Schlafraum für Männer.
Der Flur im dritten Untergeschoss mit dem Treppenaufgang.
Der Flur im dritten Untergeschoss mit dem Treppenaufgang.
Raum 320: Die Heizung.
Raum 320: Die Heizung.

 

Projekt GSVBw

Unser Projekt zur bundesweiten Dokumentation der Grundnetzschalt- und Vermittlungsstellen der Bundeswehr kommt gut voran. Inzwischen haben wir bereits über ein Dutzend dieser Anlagen besichtigen können. Im September wurde deshalb unsere Webseite mit einer Ergänzung zur GSVBw 34 Siegen versehen. Weitere Anlagen folgen in den nächsten Wochen und Monaten.