November 2008

In unserem Novemberbericht möchten wir unter anderem über unser umfangreiches GSVBw-Vereinsarchiv berichten. Durch die Projektarbeiten vor Ort, sowie den persönlichen Kontakten zu privaten GSVBw-Besitzern und zu ehemaligen GSVBw-Bediensteten konnte eine beachtliche Menge an historischen Dokumenten in das Vorbei e.V. – Vereinsarchiv eingeordnet werden. Diese umfassen z.B. Pläne und Planungsunterlagen, Abnahmeprotokolle und Prüfberichte, Funktionsbeschreibungen, Anforderungen, Anweisungen, Handbücher, Betriebsanleitungen, Tagungsprotokolle sowie organisatorischen Schriftverkehr zur Betriebstechnik, Arbeits- und Personalangelegenheiten. Aber auch ausführliche Erprobungs- und Erfahrungsberichte werden, wie auch seltene Dokumente aus privatem Besitz, im Bestand unseres Vereinsarchives geführt.

Die Unterlagen liegen zum Teil als Originaldokumente vor. Ein weiterer Teil der historischen Dokumente wurde unserem Verein von verschiedenen Stellen als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Die Archivierung dieser Unterlagen erfolgt durch hochwertige Duplex-Dokumentenscanner, die eine schonende Behandlung des Archivgutes sicher stellen, und durch einen hochauflösenden Scanvorgang eine sehr detailreiche Archivierung ermöglichen.

Die erforderlichen Tätigkeiten dazu sind sehr aufwändig. So müssen die Archivgüter, die nicht selten seit vielen Jahren der hohen Luftfeuchtigkeit in den Schutzbauten ausgesetzt waren, zunächst unter normalen klimatischen Bedingungen gelagert werden. Büro- und Heftklammern, sowie Schnellhefter, sind größtenteils stark verrostet, und zerfallen bei kleinsten mechanischen Beanspruchungen in kleine Partikel, die an den Dokumenten haften bleiben. Diese Rückstände müssen sorgfältig entfernt werden, weil sie die Mechanik und die empfindliche Duplex-Einheit der Dokumentenscanner beschädigen könnten.

bueroklammer - November 2008 - Virtuelles GSVBw-Museum, Bunker, Atombunker, Fernmeldebunker, Luftschutzbunker, Zivilschutzanlage, Museumsbunker, Bunkermuseum, GSVBw
Rückstände einer Büroklammer durch Lagerung bei hoher Luftfeuchtigkeit.
bueroklammer 02 - November 2008 - Virtuelles GSVBw-Museum, Bunker, Atombunker, Fernmeldebunker, Luftschutzbunker, Zivilschutzanlage, Museumsbunker, Bunkermuseum, GSVBw
Büroklammer-Rückstände und Verfärbungen.

 

Durch die chronologische Ordnung der Unterlagen aus verschiedenen Quellen entsteht so eine Archivstruktur, die die GSVBw-Thematik vom ersten Schriftverkehr aus den 60’er Jahren an dokumentiert. Die Auswirkungen von Entscheidungen und Anordnungen können auf diese Weise verdeutlicht, und die Abhängigkeiten und Entwicklungen aufgezeigt werden.

Die Zielsetzung ist hier eine vollständige, elektronische Dokumentenarchivierung. Diese soll in einem weiteren Schritt mit Texterkennungstechnologien analysiert werden, um somit die Möglichkeit zu bieten, mit Volltextsuchfunktionen im Vereinsarchiv zu recherchieren.

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Weitere Unterlagen und Dokumente zur GSVBw-Thematik, die nach der elektronischen Erfassung in das GSVBw-Vereinsarchiv eingeordnet werden.
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Die noch zu verarbeitenden Unterlagen umfassen unter anderem Pläne, Anleitungen, Funktionsbeschreibungen, Handbücher und organisatorischen Schriftverkehr.

 

Das Vereinsarchiv umfasst zur Zeit etwa 15.000 Dokumentenseiten. Dieses entspricht einem Datenvolumen von ca. 165GB. Einen weitaus größeren Speicherbedarf nehmen die Fotodokumentationen unserer Vereinsmitglieder in Anspruch. Diese müssen, genau wie das erstellte Videomaterial, als zusätzlicher Archivbestand gesondert betrachtet werden. Insgesamt konnten bis jetzt 12 GSVBw-Anlagen und viele andere zeitgeschichtliche Bauwerke und Liegenschaften ausführlich dokumentiert werden.

Noch ein Hinweis: Wir suchen ständig Dokumente, Fotos und technische Unterlagen zur GSVBw-Thematik, um unser GSVBw-Vereinsarchiv weiter zu vervollständigen. Bitte nehmen Sie Kontakt mit uns auf, wenn Sie unsere ehrenamtliche und gemeinnützige Vereinsarbeit unterstützen möchten, und uns Unterlagen zur elektronischen Archivierung zur Verfügung stellen wollen.

 

Besuch einer Hebdrehwähler-Nebenstellenanlage (HDW)

Einige Vereinsmitglieder befassten sich im November mit historischer Telefontechnik, und besuchten eine Hebdrehwähler-Nebenstellenanlage. Diese Nebenstellenanlage, platziert in einem unscheinbaren Fernmeldebetriebsraum, versorgte in den 60’er Jahren die umliegenden Telefonanschlüsse.

Ein Hebdrehwähler ist ein elektromechanisches Bauteil, das mit einem Kontakt- oder Schaltarm ausgestattet ist, der durch Impulse gesteuert zunächst eine der übereinanderliegenden Kontaktreihen anfährt (Heben). Mit der nächsten Impulsreihe wird dann innerhalb dieser Kontaktreihe durch eine Drehbewegung des Schaltarmes (Drehen) der gewünschte Kontakt in der vorher ausgewählten Kontaktreihe angefahren. Wird die hergestellte Verbindung nicht mehr benötigt (z.B. bei Beendigung eines Telefongespräches) fährt der Hebdrehwähler wieder in seine ursprüngliche Position zurück. Diese Vorgänge sind optisch und auch akustisch sehr eindrucksvoll. Wir haben daher ein kurzes Video zur Verdeutlichung angehängt.

Video: HDW-Nebenstellenanlage im Betrieb (*.wmv-Format, ca. 11MB)

Die Leistungsmerkmale und die Anschlusskapazitäten dieser HDW-Anlage reichten aber nicht aus, den steigenden Bedarf an Nebenstellenanschlüssen und die Forderung nach zusätzlichen Funktionalitäten zu erfüllen. So wurde diese Anlage etwa in den 80’er Jahren durch eine neue Anlage ersetzt. Mit dem Einzug der digitalen Vermittlungstechnik erfolgte ein weiterer Austausch der TK-Technik.

Trotz mehrfachem Technologiewechsel wurde die ursprünglich betriebene HDW-Nebenstellenanlage nicht demontiert, und unverändert mit abgeschalteter Stromversorgung im Anlagenraum belassen. Die Anlage ließ sich mit wenigen Handgriffen wieder in Betrieb setzen, und auch Telefongespräche waren problemlos möglich. Zu diesem Zweck wurden zwei Prüftelefone an den Teilnehmer-Anschlussleisten angeschlossen.

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Die Nebenstellenanlage beansprucht zwei Gestellreihen.
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Der Prüfapparat wird zur Herstellung von Gesprächsverbindungen genutzt.
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Drehwähler-Baugruppen.
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Baugruppe mit Drehwählern und Relais.
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Rücklöt- und Testeinrichtung für Fernmeldesicherungen.
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Fm-Gestellreihe in der Rückansicht.
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Detail: Ausgebundene Drahtformen auf der Baugruppen-Rückseite.
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Hebdrehwähler-Baugruppe im Detail. Deutlich sind die übereinander liegenden Kontaktreihen zu erkennen.